02 Night Vision Geothermal Plants at the Salton Sea, Niland, California, Copyright: Lisa Barnard

SPOTLIGHT // AFTER NATURE . ULRIKE CRESPO PHOTOGRAPHY PRIZE 25 - Lisa Barnard & Isadora Romero

AFTER NATURE . ULRIKE CRESPO PHOTOGRAPHY PRIZE 25

LISA BARNARD „YOU ONLY LOOK ONCE“

ISADORA ROMERO „NOTES ON HOW TO BUILD A FOREST“

Mit Lisa Barnard und Isadora Romero präsentiert die Crespo Foundation bis zum 31. Mai 2026 zwei internationale Künstlerinnen und Gewinnerinnen des „After Nature . Ulrike Crespo Photography Prize 25“ in Frankfurt. Die Ausstellungen von Lisa Barnard „You Only Look Once“ und Isadora Romero „Notes on How to Build a Forest“ vereinen zwei forschungsbasierte künstlerische Positionen, die untersuchen, wie Umwelten wahrgenommen, gestaltet und verhandelt werden – im Spannungsfeld ökologischer, technologischer und sozialer Zusammenhänge.
After Nature, Ausstellungsfoto: Jens Gerber

AFTER NATURE . ULRIKE CRESPO PHOTOGRAPHY PRIZE 25,  Crespo Open Space, Installation View: © Jens Gerber

„Das krisengeschüttelte ‚Raumschiff Erde‘ (Buckminster Fuller) wird permanent überwacht – von Weltraumsatelliten bis Unterwassersonaren, mit Infrarot-, UV- und KI-Technologien. Ganz ohne klassische Kameraaugen entsteht aus sensorischen Informationen ein bislang unbekanntes Bild der Welt. In einer Synthese aus Technologie, Sinneswahrnehmungen und indigenem Wissen eröffnen uns die Preisträgerinnen neue Blicke auf Natur – damit wir Menschen die Welt verstehen, die wir nicht sehen.“ sagt Christiane Riedel, Vorständin der Crespo Foundation.

Und Ben Livne Weitzman, Kurator der Ausstellung, ergänzt: „In einer Zeit, in der sich unsere Wahrnehmung spürbar verändert, stellt sich neu die Frage, was es heute heißt, zu sehen – und zu wissen. Die Projekte von Lisa Barnard und Isadora Romero sind in ihrer Form unterschiedlich, in ihrer Intention jedoch eng verbunden: Sie machen erfahrbar, unter welchen Bedingungen Wahrnehmung entsteht – zwischen menschlicher und tierischer Erfahrung, soziokulturell geprägten Wissensformen und maschinellen Bildsystemen.“

Badlands, During the Recent Santa Ana Winds in January 2025, Anza Borrego State Park, California, 2025 © Lisa Barnard

Brachland während der jüngsten Santa-Ana-Winde im Januar 2025, Anza-Borrego State Park, Kalifornien, 2025 © Lisa Barnard

In „You Only Look Once“ untersucht die britische Künstlerin Lisa Barnard Formen der Wahrnehmung, wie sie in tierischen, menschlichen und maschinellen Systemen wirksam werden. Ausgehend vom kalifornischen Salton Sea verbindet ihr forschungsbasiertes Projekt Fotografie, Video und Klang und thematisiert militärische Testgelände, Lithiumabbau, autonome Technologien sowie zeitgenössische Systeme maschinellen Sehens. In Anlehnung an den Echtzeit-Objekterkennungsalgorithmus YOLO stellt ihre Arbeit sowohl die Effizienz als auch die Grenzen maschineller Wahrnehmung heraus. Sie betont die Differenz zwischen Datenverarbeitung und bewusstem Erleben und reflektiert, wie visuelle Technologien die Welt nicht nur erfassen, sondern inmitten miteinander verflochtener ökologischer und technologischer Krisen aktiv mitgestalten.

AFTER NATURE . ULRIKE CRESPO PHOTOGRAPHY PRIZE 25, Installation View: © Jens Gerber

AFTER NATURE . ULRIKE CRESPO PHOTOGRAPHY PRIZE 25,  Crespo Open Space, Installation View: © Jens Gerber

Die ecuadorianische Künstlerin Isadora Romero nähert sich in „Notes on How to Build a Forest“ den Nebelwäldern ihres Heimatlandes als dynamischen, bewohnten Ökosystemen, die durch lange Geschichten des Zusammenlebens, der Nutzung und Fürsorge geprägt sind. Das recherchebasierte Projekt entstand in enger Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften, Wissenschaftler:innen und Kunsthandwerker:innen und verbindet Fotografie, Textilien, Video und Klang, um die ökologischen, sozialen und kulturellen Dimensionen dieser Lebensräume zu untersuchen. Romero verfolgt indigene Handelsrouten, überliefertes Pflanzenwissen und gemeinschaftsbasierte Naturschutzpraktiken und hebt den Wald als Raum des Austauschs und kollektiver Verantwortung hervor. Die Arbeit widersetzt sich der Vorstellung von Wäldern als statischen oder unberührten Landschaften und betont stattdessen ihre Rolle als lebendige Systeme im Kontext fortwährender ökologischer Veränderungen.

Palms at Mache Chindul © Isadora Romero

Palmen bei Mache Chindul, 2024  © Isadora Romero & Ailín Blasco

 

Über die Künstlerinnen

Lisa Barnard (*1967, Vereinigtes K.nigreich) ist eine britische Künstlerin und Dozentin, deren fotografische Arbeit sich mit realen Ereignissen auseinandersetzt. In ihren Projekten kombiniert sie klassische dokumentarische Methoden – wie Fotografie, Audio, Video und Text – mit zeitgenössischen visuellen Strategien und digitalen Techniken. Ihr Interesse an Ästhetik und aktuellen Debatten zur Materialität der Fotografie verbindet sie mit politischen Fragestellungen rund um neue ökologische Ansätze, technologische Entwicklungen, Wissenschaft und den militärisch-industriellen Komplex. Barnard ist außerordentliche Professorin und Leiterin des Online-Masterstudiengangs für dokumentarische Fotografie an der University of South Wales. Neben regelmäßigen Ausstellungen ihrer Arbeiten hat sie drei Monografien veröffentlicht.

Isadora Romero (*1987, Ecuador) ist eine visuelle Erzählerin an der Schnittstelle von dokumentarischer und künstlerischer Fotografie. Ihr Schaffen zeichnet sich durch ein ausgeprägtes Engagement für soziale und ökologische Gerechtigkeit aus, mit besonderem Fokus auf Agrobiodiversität, Ernährungssouveränität sowie auf den historischen und symbolischen Verbindungen zwischen Mensch und Land. Sie dokumentiert und reflektiert die Beziehung von Gemeinschaften zu ihren Lebensräumen und entwickelt daraus neue Perspektiven – stets basierend auf einem kollaborativen, entschleunigten und kontextbezogenen Ansatz. Romero ist Mitbegründerin von Ruda, einem Kollektiv lateinamerikanischer Fotografinnen. Ihre Arbeiten wurden in Ecuador sowie international ausgestellt und vielfach ausgezeichnet. Sie ist Autorin und Co-Autorin und absolvierten Residencies u. a. in der Antarktis und in Mexiko.

Über die Crespo Foundation

Die Crespo Foundation ist eine gemeinnützige private Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie wurde 2001 von der Psychologin und Fotografin Ulrike Crespo (1950 – 2019) gegründet. Sie tritt dafür ein, dass alle Menschen die Möglichkeit haben, selbstbestimmt zu leben und die Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Mit ihren Programmen und Förderungen schafft die Crespo Foundation Angebote, Zugänge und Möglichkeitsräume, in denen Menschen ihr Potenzial entfalten können.

Die Handlungsfelder Kunst, Kulturelle Bildung, Stärkung der Persönlichkeit und Bildungschancen leiten sich aus dem Wirken der Stifterin Ulrike Crespo ab. Aus der Überzeugung heraus, dass Kreativität, Bildung und Soziales zusammen gedacht werden müssen, um Teilhabe zu ermöglichen, arbeitet die Stiftung mit Akteur:innen und Expert:innen aus diesen Bereichen zusammen und vernetzt sie.

Der Preis

Gemeinsam mit C/O Berlin hat die Crespo Foundation den „After Nature . Ulrike Crespo Photography Prize“ ins Leben gerufen. Der mit insgesamt 80.000 Euro zweithöchst dotierte Preis im Bereich Fotografie in Europa fördert seit 2024 jährlich zwei Projekte, die in Fotografie und visuellen Medien neue Sichtweisen auf die Natur eröffnen.

Die im Kontext des Preises entstehenden Arbeiten schärfen den Blick für komplexe globale Zusammenhänge und laden dazu ein, vermeintliche Gewissheiten infrage zu stellen: „Wie können wir eine ganzheitliche Verantwortung für unseren Planeten entwickeln, wenn sich immer mehr unserer Erkenntnisse in die Sphären von High-Tech und künstlicher Intelligenz verlagern? Und wo verbinden sich unsere gegenwärtigen technischen Möglichkeiten mit dem Wissen, das lokale Gemeinschaften seit Generationen pflegen und in die Zukunft tragen?“ 

Ausgehend vom Rahmenthema „Fotografie nach der Natur“ beleuchten die Projekte die visuellen Mechanismen, die am Werk sind, wenn sich Vorstellungen von Natur in fotografischen oder filmischen Bildern niederschlagen. Dabei verweist das Thema einerseits darauf, dass die alte Gegenüberstellung einer „ursprünglichen“ Natur auf der einen und einer „geformten“ Kultur auf der anderen Seite nicht länger trägt. Andererseits bezieht es sich auf die historische Formel „Fotografie nach der Natur“, die im 19. Jahrhundert häufig genutzt wurde, um das mimetische Verhältnis zwischen der Fotografie und ihrem Motiv zu charakterisieren.

Diese doppelte Lesbarkeit unterstreicht, wie sehr unsere Haltung zur (Um-)Welt seit jeher von technischen Medien durchdrungen ist. Der Preis ist nach der Fotokünstlerin, Psychologin und Stifterin Ulrike Crespo (1950–2019) benannt, die sich in ihrer Arbeit intensiv mit dem Thema Natur beschäftigte. Neben der Prämie beinhaltet er zwei Ausstellungen – eine bei dem renommierten Ausstellungshaus für Fotografie und visuelle Medien C/O Berlin, eine im Crespo Open Space in Frankfurt – sowie eine begleitende Publikation.

(Presse: Crespo Foundation)

AFTER NATURE . ULRIKE CRESPO PHOTOGRAPHY PRIZE 25

LISA BARNARD „YOU ONLY LOOK ONCE“

ISADORA ROMERO „NOTES ON HOW TO BUILD A FOREST“

Ein gemeinsames Projekt mit C/O Berlin Foundation

Crespo Foundation

im Crespo Haus

Weißfrauenstraße 1–3

60311 Frankfurt am Main

Finissage: So., 31. Mai 2026, 11:00 – 18:00

Kuratorenführung mit Ben Livne Weitzman
So., 31. Mai 2026, 14:30 Uhr

Lecture und Talk mit Siegfried Zielinski
So., 31. Mai 2026, 16:00 Uhr

Was unterscheidet ein Bild von einem algorithmischen Artefakt? Und was schärft unseren Blick dafür?

In einem Vortrag und Gespräch reflektiert Siegfried Zielinski — einer der renommiertesten Medientheoretiker — über Fotografie und technische Bilder im Zusammenhang mit den Werken von Lisa Barnard und Isadora Romero, den Preisträgerinnen des „After Nature . Ulrike Crespo Photography Prize 25“, und greift dabei die Gedanken von Vilém Flusser sowie seine eigenen Konzepte der „Künstlichen Extelligenz“ erneut auf.

https://www.crespo-foundation.de

Cover: Nachtsichtaufnahmen von Geothermiekraftwerken am Salton Sea, Niland, Kalifornien, 2023˝. © Lisa Barnard